Signpainting Workshop – Clara in Amsterdam |
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Signpainting Workshop – Clara in Amsterdam

Als ich am vergangenen Mittwoch zur Reise nach Amsterdam aufbrach, wusste ich noch nicht, dass dort eine der besten Erfahrungen in meinem Leben auf mich warten würde.

In Amsterdam gelandet ging es für mich nach Noord, in den nördlichen Teil der Stadt, der durch die Ij von dem Zentrum getrennt wird. Linda war schon da – sie sollte sich in den kommenden Tagen noch als die beste Mitbewohnerin herausstellen.

Wir streiften gleich durch das Zentrum und entdeckten viele der handgemalten Beschilderungen, die die Amsterdam Signpainters gestaltet haben.

Nach einem verregneten und leicht angedüddelten Tag in Amsterdam (es gibt einfach so viel gutes Craft Bier in Amsterdam – und diese Leidenschaft teilen Linda und ich) ging es leicht verkatert auf in den ersten Workshoptag.

Mike ist ein wahnsinnig guter Lehrer. Er kann gut erzählen (die Geschichten werden immer lustiger, wenn man ihn nach seiner Heimat Mazeppa fragt) und hat wahnsinnig viel Geduld.

Er durchschaute ziemlich schnell, dass ich ein wenig unter den Bieren vom Vortag litt und witzelte, so würde ich ein richtiger Sign Painter werden. (Diese sind wohl bekannt dafür viel zu trinken und zu rauchen – auch während der Arbeit.)

Das Ambiente während des gesamten Workshops war genau nach meinem Geschmack. Die Jungs auf der anderen Seite meiner Leinwand waren wie die Jungs aus der letzten Reihe in der Schule – laut, witzig, versaut – und auch die anderen Kursteilnehmer waren wundervoll. Man half sich gegenseitig, es wurde viel mitgesungen und über Linienführungen, Pinselgrößen und Farbabmischungen diskutiert.

Die Umgebung war rustikal und künstlerisch. Wir befanden uns in einer modern umgebauten Werkstatt, in der gemalt, restauriert, gewerkelt und gebaut wurde, direkt am Ufer. Immer umgeben von bemalten, alte Vehikeln und Motorrädern.

Das gemeinsame Mittagessen wurde täglich liebevoll von einem der Amsterdam Signpainters oder ihren Freunden zubereitet.

Ich werde ein bisschen wehmütig, wenn ich an die Workshopzeit zurückdenke… Alle arbeiteten intesiv, man merkte überhaupt nicht, wie die Zeit verging. Ab und an saßen wir draußen in der Sonne bei einer Zigarette und lauschten Mikes absurden Stories. Ich glaube, in vier Tagen habe ich selten so viel gelacht.

Wenn die Sonne unterging wurde ein Bier aufgemacht und die Abende verstrichen feuchtfröhlich mit trinken, tanzen und malen.Sign Painting ist eine tolle Methode, um den Umgang mit Buchstaben und Layout zu üben und auszubauen. Die ersten Übungen bestehen darin, mithilfe des Mahlsticks Linien zu ziehen, Abstände zu gestalten und Buchstaben mit dem Bleistift zu konstruieren.

Die Blockbuchstaben sind die erste Hürde, vor allem, wenn es an Pinsel und Farbe geht, da gerade Linien Vorraussetzung sind, ebenso wie akurate Ecken und glatte Kurven.

Eine ruhige Hand ist beim Sign Painting von Vorteil, allerdings habe ich meine Hand wahnsinnig gut in den Griff bekommen im Verlauf des Workshops. Übung macht eben den Meister. Die Blockletter gingen mit zum Ende hin relativ easy von der Hand.

Step 1 – die Pinselwahl

Wir lernten hauptsächlich den Umgang mit Schleppern, also Pinseln mit sehr langen, weichen Borsten aus Dachs-, Rind- oder Eichhörnchenhaar. Für die ersten Gehversuche empfehle ich Pinsel in der Größe zwischen 6 und 12, mit denen lassen sich Fehlerchen leichter ausbessern und Flächen schneller Füllen. Größere Pinsel können größere Fehler verursachen und es lassen sich schwerer feine Linien ziehen, geschweige denn scharfe Ecken malen.

Step 2 – Pinselsäuberung und -pflege

Da die meisten Pinsel in dem Bereich aus Echthaar bestehen und man haupstächlich mit Ölbasierten Farben auf Papier übt, empfiehlt sich die regelmäßige Behandlung mit Öl. Es gibt spezielle Pinselöle, allerdings behelfen sich viele mit einfachen Raps-, Kokos- oder Nussölen.

Die Pinsel fassen durch ihre langen Borsten sehr viel Farbe. Vor allem im metallischen Hals, den es besonders gut zu Pflegen gilt. Je sauberer die Stelle ist, wo die Borsten zusammengehalten werden, desto besser fasst der Pinsel Farbe und desto geschmeidiger bleibt er.
Jedes Mal, wenn der Pinsel gewechselt wird oder eine Pause gemacht wird, sollte der Pinsel gereinigt und geölt werden – ja, jedes Mal! Keine Angst, irgendwann hat man absolute Routine darin:

Für die Säuberung nimmt man Verdünner, in unserem Fall Terpentinersatz. Er wird in drei Gläser aufgeteilt und immer in gleicher Reihenfolge nacheinander in jedem dieser Gläser einmal gründlich durchgespült. Ziel sollte sein, dass im ersten Glas der grobe Schmutz, im zweiten nur noch die verdünnte Farbe und im dritten Glas fast nichts mehr zurückbleibt. Der Pinsel wird mit einem alten Handtuch getrocknet und einmal ordentlich in Öl getränkt, kurz abgeschtriffen und aufrecht stehend (damit das Öl in besagte wichtige Stelle laufen kann) beiseite zurückgesteckt.

Step 3 – Farben

Zum Üben auf Papier empfehlen sich ölbasierte Farben. Sie sind geschmeidiger als herkömmliche Acrylfarben und trocknen langsamer, was das Korrigieren einfacher macht. Außerdem wellt sich das Papier nicht so arg.

Ich habe außerdem das Gefühl, dass die Farben wesentlich leuchtender sind. Für die richtige Konsistenz mischt man die Farben mit Terpentinöl oder einem Terpentinersatz.

Für spätere Anwendungen werden auch Lacke [Am bekanntesten sind die 1Shot Enamels] verwendet. Dazu aber mehr, wenn ich soweit bin. 😉

Step 4 – Die Umgebung

Der Raum, in dem man übt muss zwar nicht groß, dafür dann aber ausreichend belüftet sein. Die Ölfarben und Lacke dämpfen giftig ab und das kann die Lunge schädigen.

Eine gute Beleuchtung ist ebenso wichtig, da der Fokus der Augen auf die geraden Linien schon anstrengend genug ist. Um die Konzentration zu unterstützen würde ich viel Licht, ausreichende Beheizung [nicht zu warm, da die Farben sonst zu schnell trocknen könnten] und gute Luftzufuhr empfehlen.

Auch empfiehlt sich ein Ort, an dem ihr so richtig Dreck machen dürft, denn das wird früher oder später passieren…

Step 5 – Die Staffelei

Im Workshop war ständig die Rede vom EASEL… Damit konnte ich überhaupt nichts anfangen. Eines Abends klärte es sich für mich auf, als ich direkt auf die Staffelei malte und ein Workshopkollege schrie „Look, she’s painting on the easel.“

Okay. Man sagt wohl auch im deutschen Easel, obwohl es nur die Übersetzung für Staffelei ist.

Natürlich lässt sich das zu bemalende Papier auch direkt an eine Wand oder an eine Tür hängen, eine Staffelei hat jedoch immer den Vorzug, dass sie leicht schräg zum Maler steht und somit den Vorgang stark erleichtert.

Allerdings sollte es keine herkömmliche Malerstaffelei sein, es wird eine glatte Fläche benötigt, auf der das Papier angebracht und bemalt werden kann.

Wie man sich mithilfe von kreativen, fleißigen Freunden einen Easel selbst bauen kann, erkläre ich in einem der folgenden Blogbeiträge „ein Esel für Kalle“.

Step 7 – Geduld, Spaß, gute Musik

Das Sign Painting kann durchaus frustrierend werden. Es gibt viele Pinselführungen und Kniffe, die man als ungeübter Sign-Painting-Newbie nie so hinbekommt, wie es die großen Künstler so einfach aus der Hüfte vorgepinselt haben.

Deshalb ein kleiner Pro-Tip: legt euch gute Musik auf, ladet euch jemanden zum Üben mit ein und habt genügend Kaffee, Snacks, Bier oder was immer euch glücklich macht parat.

Sign Painting ist weit mehr als Buchstaben malen! Es kann durchaus eine Lebenseinstellung werden.

Auch sehr wichtig: Macht genug Pausen und zwar an der frischen Luft! Die Dämpfe der Farben sollte man nicht unterschätzen. An den ersten zwei Tagen bin ich mit dichter Nase und dicken Augenlidern aufgewacht, also bitte ernst nehmen. Auch wenn es durchaus schwerfällt, den Pinsel öfter liegen zu lassen. 😉